Bali/Berlin (AP) Nach monatelanger Vorbereitung haben am Montag auf Bali die UN-Verhandlungen über ein neues Klimaabkommen begonnen, das eine katastrophale Erwärmung des Planeten verhindern soll. Deutschland erwartet dabei allerdings noch großen Streit, wie Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Berlin deutlich machte. Zum Auftakt der Weltklimakonferenz meldete sich aber ein Partner zurück: Australien verkündete offiziell seinen Beitritt zum Kyoto-Protokoll.

Nun stehen von den größten Industriestaaten nur noch die USA abseits. Sie hatten das Kyoto-Protokoll 1997 wie Australien mit ausgehandelt, es dann aber nicht ratifiziert. Die Industriestaaten hatten in dem Abkommen 5,2 Prozent Minderung bei den Klimagasen von 1990 bis 2012 versprochen. Auf Bali verhandeln nun rund 10.000 Experten aus 190 Staaten über ein Nachfolgeabkommen mit weit drastischeren Einschnitten: Geht es nach der EU, sollen die Industrieländer bis 2020 um 30 Prozent unter ihre Emissionen von 1990 kommen.

«Die Augen der Welt sind auf uns gerichtet», sagte UN-Klima-Generalsekretär Yvo de Boer. «Die Welt erwartet einen Quantensprung nach vorn.» Der Wissenschaftlerrat IPCC hatte dieses Jahr in mehreren großen Studien dargelegt, dass die Anreicherung der Klimagase in der Atmosphäre zu einer Erwärmung des Erdballs führt. Schon jetzt droht eine Zunahme von Dürren, Stürmen und Wetterextremen sowie das Abschmelzen von Gletschern und Polareis.

Die US-Delegation auf Bali veröffentlichte eine Stellungnahme, in der sie erläuterte, wie sich die USA trotzdem gegen den Klimawandel einsetzten. «Wir wollen keine Hürde sein», sagte US-Unterhändler Harlan Watson. «Wir engagieren uns für einen erfolgreichen Abschluss (der Konferenz), und wir werden konstruktiv daran mitarbeiten.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel rechnet nicht mit verbindlichen Klimaschutzzusagen der USA vor der nächsten Präsidentschaftswahl im November 2008. Erst danach werde die neue US-Regierung mitteilen, «ob sie mitmacht oder nicht», sagte der SPD-Politiker im ZDF. Auch dämpfte er die Erwartungen an die Bali-Konferenz: Dort solle nur der «Startschuss für die Verhandlungen» fallen. Das neue Klimaabkommen soll erst 2009 fertig sein.

Außenminister Steinmeier sagte bei einem G-8-Treffen in Berlin, noch gebe es einen grundlegenden Dissens zwischen den wichtigsten Ländern. «Wir werden noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen», sagte er. Die Berliner G-8-Konferenz, an der auch Entwicklungsländer teilnahmen, solle ein Signal der Unterstützung für Bali sein. Allerdings sei auch in den USA und in den großen Schwellenländern ein Umdenken zu erkennen.

Die mexikanische Außenministerin Patricia Espinosa Cantellano betonte als Vertreterin der Schwellenländer, jedes Land müsse sich am Klimaschutz beteiligen. Mexiko habe dafür zum Beispiel ein Aufforstungsprogramm mit 230 Millionen Bäumen gestartet. Wälder nehmen Kohlendioxid auf und gelten als wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.

Gabriel betonte, die Hilfe für Entwicklungsländer beim Klimaschutz sei Schlüssel für das neue Abkommen. Um sie zu finanzieren, bedürfe es eines weltweiten Kohlenstoff-Markts. Damit würden die Verursacher des Klimawandels – Industrie und Energieunternehmen – an den Kosten beteiligt, sagte Gabriel.

Quelle: PR-inside.com

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